Am 09.10.2005 berichtete das ZDF um 19.30 Uhr in einer 45min.-Sendung ausführlich über den historischen Hintergrund des Märchens "Schneewittchen"
In einer dreiteiligen Sendereihe "ZDF Expeditionen - Märchen und Sagen, Botschaften aus der Wirklichkeit" berichtete das Zweite Deutsche Fernsehen unter dem 1. Titel
"Schneewittchen und der Mord in Brüssel"
über den historischen Ursprung des Grimm`schen Märchens.
Spiegel-TV folgte den Spuren des Fräulein Margaretha von Waldeck und Eckhard Sander, der die Parallelen zum Grimmschen Märchen in seinem Buch "Schneewittchen - Märchen oder Wahrheit? Ein lokaler Bezug zum Kellerwald" beschreibt.
Auszug aus der
Programmankündigung:
1. Schneewittchen und der Mord in Brüssel
Film von Kirsten Hoehne und Claudia Moroni
Die neue ZDF-Reihe "Märchen & Sagen - Botschaften aus
der Wirklichkeit" präsentiert erstmals im deutschen
Fernsehen die Erkenntnisse von Wissenschaftlern zu den
überlieferten Geschichten von Schneewittchen, Sterntaler und dem
Rattenfänger, zu deren verschlüsselten Botschaften und
historischen Hintergründen. Ab 9. Oktober 2005, sonntags 19.30
Uhr, startet im Rahmen der "ZDF Expedition" die
spannende Spurensuche in die Welt der Märchen, die neue
archäologische Zeugnisse und überraschende Ergebnisse aktueller
Forschungsarbeiten präsentiert.
"Mit diesen Märchendokumentationen führen wir die 'ZDF
Expedition', die sich stetig erweitern und variieren muss, auf
ein neues Feld. Der spezielle Ansatz dieser Reihe macht es
möglich, die Alltags-, Tatsachen- und Geschichtskerne des
uralten Kulturguts aufzuspüren und dennoch den speziellen Glanz
der Märchenwelt zu bewahren." (ZDF-Kultur- und
Wissenschaftschef Dr. Hans Helmut Hillrichs)
Überall auf der Welt erfreuen sich Märchen großer Beliebtheit.
Die Schilderungen von Schneewittchen, Sterntaler oder dem
Rattenfänger haben Einzug in die Kinderzimmer gehalten. Doch so
fantastisch viele der Geschichten auch klingen, orientieren sie
sich doch vielfach an historischen Fakten. Dies zeigt die von
Spiegel TV produzierte Reihe mit den Filmen "Schneewittchen
und der Mord in Brüssel" (Sendedatum: 9. Oktober 2005, 19.30
Uhr), "Sterntaler und das himmlische Gold" (Sendedatum:
16. Oktober 2005, 19.30 Uhr) und "Der Rattenfänger und die
verschwundenen Kinder" (Sendedatum: 23. Oktober 2005, 19.30
Uhr).
"Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken
fielen wie Federn vom Himmel herab. Da saß eine Königin an
einem Fenster, das einen Rahmen von schwarzem Ebenholz hatte, und
nähte. Und wie sie so nähte und nach dem Schnee aufblickte,
stach sie sich mit der Nadel in den Finger, und es fielen drei
Tropfen Blut in den Schnee. Und weil das Rote im weißen Schnee
so schön aussah, dachte sie bei sich: Hätt' ich nur ein Kind,
so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie das Holz
an dem Rahmen! Bald darauf bekam sie ein Töchterlein, das war so
weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie
Ebenholz und ward darum 'Sneewittchen' genannt. Und wie das Kind
geboren war, starb die Königin. Über ein Jahr nahm sich der
König eine andere Gemahlin."
Und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Schneewittchens
Stiefmutter, von eifersüchtiger Natur und gesteuert von
krimineller Energie, konnte die erblühende Schönheit der jungen
Prinzessin nicht ertragen und trachtete ihrem Schützling nach
dem Leben. Den weiteren Fortgang des Märchens, das die Brüder
Jacob und Wilhelm Grimm 1812 veröffentlichten, kennt jedes Kind
- von Tokio bis Toronto, von Kapstadt bis Kopenhagen. Märchen
sind die Sprache der Seele, heißt es. Sie sind wie Träume, die
tief im Unterbewusstsein nachwirken. Ähnlich wie
Bibelgleichnisse enthalten sie verschlüsselte Botschaften, die
bis in die Wirklichkeit hineinreichen. So phantastisch viele der
Geschichten auch klingen, so beruhen die meisten doch auf
historischen Fakten.
Dem Fall Schneewittchen ist der hessische Heimatforscher Eckhard
Sander auf der Spur. Im Stadtarchiv von Bad Wildungen, einem
idyllischen Ort unweit von Kassel, entdeckte er aufschlussreiche
Handschriften aus dem 16. Jahrhundert. Darunter ein Dokument
über "Fräulein Margaretha von Waldeck", die wegen
ihrer einzigartigen Schönheit über die Landesgrenzen hinaus
bekannt war. Auch sie wuchs unter der strengen Hand einer
Stiefmutter auf. Im Alter von etwa 16 Jahren schickt ihr Vater,
Graf Philipp IV. von Waldeck, das anmutige Mädchen an den
kaiserlichen Hof von Brabant ins heutige Brüssel. Als Hofdame
sollte sie sich auf dem politischen Parkett beweisen und als
Gattin einem stattlichen und mächtigen Prinzen in sein Schloss
folgen. So verlässt Margaretha ihre Heimat Hessen und reist
über das Siebengebirge einer ungewissen Zukunft entgegen.
Zunächst scheint alles nach Plan zu verlaufen: Rauschende Feste
und Begegnungen mit Kavalieren aus dem europäischen Hochadel
sind dokumentiert und belegen, Margaretha war eine umworbene Dame
der Gesellschaft. Sie erhielt sogar kostbare Geschenke vom
spanischen Thronfolger Philipp II. und seinem Rivalen, dem
niederländischen Grafen Egmont. Tändeleien, die ihr bald zum
Verhängnis werden sollten.
In besorgten Briefen nach Hause berichtet die Grafentochter von
den Schwierigkeiten in Brüssel und von ihrer zunehmend
schlechter werdenden Gesundheit. Schließlich stirbt Margaretha
im zarten Alter von 21 Jahren. Erstaunlicherweise hinterlässt
sie ein brisantes Testament, verfasst in zittriger Schrift.
Daraus wird deutlich: Ihren nahen Tod hat die junge Frau geahnt.
Wurde sie aus dem Weg geräumt, weil Philipp von Spanien
ernsthaft daran dachte, sie zu heiraten und damit eine nicht
standesgemäße Verbindung einzugehen? In der Heimatchronik von
Waldeck jedenfalls taucht der Vermerk auf, dass Margaretha
vergiftet wurde. Gemeinsam mit den Briefen an die Eltern sind die
Dokumente für Eckart Sander ein sicherer Hinweis, dass
Eifersucht, Intrige und Verrat das frühe Ende der Hofdame
besiegelten.
Zwei schöne Frauen - zwei Schicksale. Doch was haben sie
miteinander zu tun? Den Stoff für ihre Hausmärchen bezogen die
Brüder Grimm in der Regel aus Erzählungen von Informanten aus
der jeweiligen Region. Die schreibfreudigen Grimms notierten die
Quellen stets in Anmerkungen, so auch beim Schneewittchen. Die
Geschichte von Margaretha könnten sie von Dorte, der späteren
Frau von Wilhelm Grimm, von Marie Hassenpflug oder Pfarrer
Ferdinand Siebert erfahren haben. Dorte kurte regelmäßig in
Wildungen, Marie Hassenpflug und Pfarrer Ferdinand Siebert lebten
in unmittelbarer Nähe zum Schloss der Grafen zu Waldeck. Auch
andere Motive im Märchen gehen auf reale Gegebenheiten in Hessen
zurück - so die Zwerge auf die Kinderarbeit in den staubigen
Bergwerken rund um den Kellerwald. Botschaften aus der
Wirklichkeit also, die verschlüsselt Eingang finden in die Welt
der Märchen. Losgelöst von Zeit und Raum werden sie zu
Sinnbildern für moralische Werte. Als Leitfaden über der
Dichtung steht der Kampf "Gut gegen Böse", der
zumindest im Fall Schneewittchen zum Happy End führt.
Mehr als zwei Jahre hat die Autorin an dem sensiblen Stoff
gearbeitet. In Weiterentwicklung zur klassischen Dokumentation
wurden mit den Mitteln des Fernsehspiels die Märchenszenen im
HDTV-Format gestaltet. Für die Rolle von Schneewittchen konnte
Nadja Robin (aus der ZDF-Telenovela "Bianca") gewonnen
werden. So entstand eine spannende Reise in die zauberhafte Welt
der Grimms, kombiniert mit einer historischen Spurensuche auf der
Fährte von Margaretha von Waldeck. Am Ende der Geschichte steht
die Erkenntnis: Selbst wenn die noch nie gezeigten Dokumente
neues Licht auf die Arbeitsweise der Brüder Grimm werfen, so
bleiben die Magie und die ewige Botschaft der Märchen erhalten.
An dieser Stelle möchten wir uns bei Eckhard Sander sehr herzlich bedanken und ihm für die Zukunft weiterhin viel Erfolg wünschen.